Zionismus ist die Bezeichnung für die jüdische Nationalbewegung, die das Ziel hatte, einen jüdischen Staat zu gründen.

Diese komplexe, heterogene Bewegung speist sich aus verschiedenen Quellen: Da ist zum einen der religiöse Hintergrund, zum anderen sind es nationalstaatliche Konzepte des 19. und 20. Jahrhunderts, die in Europa die jüdische Bevölkerung zum Teil massiv aus der Nationsgemeinschaft ausschlossen, gleichzeitig aber die Basis lieferten, um dem Zionismus sein politisches Gepräge zu geben. Dieses im Antisemitismus gründende Ausschliessen fand in der Schoah eine alptraumhafte Steigerung, die das Weltgewissen erschütterte und die Gründung des Staates Israel erleichterte.

„Zion“, einer der sieben Hügel, auf denen Jerusalem erbaut ist, wird als Synonym für ganz „Erez Israel“ (hebr. Land Israel) verstanden. Das Land, als von Gott dem jüdischen Volk verheissener Lebensort, ist eines der wichtigsten Elemente im Judentum. Nach dem Verlust der Staatlichkeit und dem Beginn der Diaspora (135 n.d.Z) fand die Zionssehnsucht, also die religiöse Vorstellung einer Rückkehr nach Erez Israel, ihren Ausdruck z.B. im Talmud, der das Wohnen in Erez Israel als heilige Pflicht ansieht, weil sich die religiösen Gebote in ihrer Vollständigkeit nur dort erfüllen lassen. Bis ins 19. Jahrhundert war es fast einhelliger Konsens, dass erst der Messias das jüdische Volk wieder ins Heilige Land führen werde.

Ab den 1880er Jahren entwickelte sich eine nichtreligiös motivierte jüdische Nationalbewegung, die seit 1892 mit dem Begriff „Zionismus“ bezeichnet wird. Aber erst der Journalist und Schriftsteller Theodor Herzl (1860-1904) machte aus dieser marginalen eine ernst zu nehmende Bewegung. Er veröffentliche 1896 seine Broschüre „Der Judenstaat - Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage“, in der er die Grundlage eines jüdischen Staates europäischen Zuschnitts darlegte. 1897 berief er den ersten Zionistenkongress nach Basel ein, an dem ca. 200 Zionsfreunde teilnahmen und der das „Basler Programm“ erliess, in dem es u.a. heisst: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich- rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina“. Auf dieser Grundlage bildeten sich verschiedene Strömungen im Zionismus (z.B. religiöser Zionismus und sozialistischer Zionismus) heraus, denen aber das Streben nach einem jüdischen Staat in Palästina gemeinsam war.

Aus den bescheidenen Anfängen 1897 entwickelten Herzls Nachfolger eine politisch agierende Organisation, deren erste Anerkennung 1917 erfolgte, als Grossbritannien in der sog. Balfour- Erklärung „mit Wohlwollen“ die Errichtung „einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“ betrachtete, dabei aber auch klar machte, dass die Rechte der nichtjüdischen Gemeinschaften in Palästina nicht tangiert werden dürften. Beide Forderungen gingen auch in den Vertrag von 1921 ein, mit dem Grossbritannien das Mandat über Palästina und Transjordanien erhielt. 1947 beschloss die UNO die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat, was 1948 zur Gründung des Staates Israel führte.

Definiert man Zionismus rein als jüdische Nationalbewegung, dann war 1948 das Ziel erreicht. Sieht man Zionismus aber ebenso als Bewegung an, die eine Gesellschaftsform erreichen will, die zwar von nationalstaatlichen Gedanken getragen wird, jedoch auch grosse Anforderungen an eine Gesellschaft stellt, nämlich eine integratives Gemeinwesen zu schaffen, in dem Juden aus allen Kulturkreisen und Religionstraditionen, aber auch Nichtjuden einen Platz finden (der nichtjüdische Bevölkerungsanteil in Israel beträgt zur Zeit knapp 20 %), dann steht der Zionismus erst am Anfang. Der heutige Zionismus muss sich allerdings in seinen Ausprägungen den Gegebenheiten der Moderne anpassen, vor allem in der Frage der Auseinandersetzung mit der palästinensischen Bevölkerung und den arabischen Nachbarn sowie in der Frage nach der Identität einer Einwanderergesellschaft, deren soziale und politische Traditionen sich als Konstrukt aus verschiedensten Kulturen zeigt.

Erik Petry, erik.petry@unibas.ch

Literatur

Heiko Haumann u.a.: Der Erste Zionistenkongress von 1897. Ursachen, Bedeutung, Aktualität, Basel 1997 Gideon Shimoni: The Zionist Ideology, Hanover/London 1995

Rechtlicher Hinweis: Dieses Factsheet darf gesamthaft oder auszugsweise mit dem Hinweis «SIG Factsheet» zitiert werden

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