Mit «unfolded minute» steht das Siegerprojekt für den nationalen Erinnerungsort für die Opfer des Nationalsozialismus in Bern fest. Der SIG begrüsst die Auswahl als wichtigen Schritt zur Umsetzung des Schweizer Memorials. Dieses umfasst neben dem Erinnerungsort auch ein Vermittlungszentrum in Diepoldsau und ein nationales Netzwerk der Erinnerungsarbeit.

Bundesrat Ignazio Cassis und die Berner Stadtpräsidentin Marieke Kruit haben heute das Siegerprojekt des internationalen Gestaltungswettbewerbs vorgestellt. «unfolded minute» soll bis Ende 2027 auf der Casinoterrasse in unmittelbarer Nähe zum Bundeshaus realisiert werden. Der Erinnerungsort wird der sechs Millionen während der Schoah ermordeten Jüdinnen und Juden sowie aller weiteren Opfer des nationalsozialistischen Regimes gedenken. Ein besonderer Fokus liegt auf Menschen, deren Schicksal mit der Schweiz verbunden ist. Zugleich soll der Ort zur Auseinandersetzung mit Verfolgung, Ausgrenzung und Antisemitismus anregen.

Kunst und Vermittlung verbinden sich

Das Siegerprojekt ging aus einem internationalen Wettbewerb mit elf eingereichten Vorschlägen hervor. Die Jury vereinte Vertretungen des Bundes, der Stadt Bern und der Initiantinnen und Initianten sowie unabhängige Fachpersonen. Für den SIG wirkte Präsident Ralph Friedländer in der Jury mit. Die elf Wettbewerbsbeiträge werden vom 22. bis 26. September 2026 im Zentrum Paul Klee in Bern öffentlich ausgestellt. Der Jurybericht wird ebenfalls veröffentlicht.

«unfolded minute» verbindet eine künstlerische Intervention mit historischer Information und Vermittlung. Entlang der Promenade unterhalb der Casinoterrasse ist eine Klanginstallation vorgesehen. Informationsträger thematisieren die Rolle der Schweiz während der Zeit des Nationalsozialismus. Eine Website bietet weiterführende Inhalte. Auf der Terrasse schafft ein Forum Raum für Führungen, Schulklassen und weitere Vermittlungsangebote. Das Siegerteam wird von den Historikerinnen Franziska Schürch und Isabel Koellreuter geleitet. Ihm gehören zudem die Kunstschaffenden Jannik Giger und Rahel Zaugg sowie die Architektinnen Andrea Steegmüller und Salomé Gutscher an.

© Rahel Zaugg, Projekt Unfolded Minute, Team ASA+SAGA, Jannik Giger, Schürch&Koellreuter, Rahel Zaugg

Erinnern, vermitteln und schweizweit vernetzen

Der Erinnerungsort in Bern bildet einen Teil des umfassenden Schweizer Memorials. Dessen Konzept beruht auf den drei Pfeilern «erinnern – vermitteln – vernetzen». Ergänzend entsteht in Diepoldsau im Kanton St. Gallen ein Vermittlungszentrum Flucht. Dieses stellt Flucht während der NS-Zeit, die damalige Schweizer Flüchtlingspolitik und die Ereignisse im Grenzraum ins Zentrum.

Ebenso zentral ist der Aufbau eines nationalen Netzwerks der Erinnerungsarbeit. Es soll bestehende Erinnerungsorte, Bildungsangebote und Initiativen in der ganzen Schweiz verbinden. Damit wird das Schweizer Memorial über seine Standorte in Bern und Diepoldsau hinaus schweizweit wirksam. Der vom Bundesamt für Kultur unterstützte Netzwerkverein wird derzeit vom SIG, dem Kanton St. Gallen, dem Zentrum für Jüdische Studien der Universität Basel, dem Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich und der Stadt Bern getragen. Der SIG führt seine Geschäftsstelle.

Langjähriges Engagement des SIG

Der SIG gehört zu den Initianten des Schweizer Memorials und ist seit Beginn an seiner Entwicklung beteiligt. Gemeinsam mit der Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz und dem Archiv für Zeitgeschichte gründete er 2025 den Trägerverein Schweizer Memorial. Dieser soll den Betrieb und die Weiterentwicklung des Erinnerungsorts sowie dessen Vermittlungsangebote unterstützen. Mit der Auswahl des Siegerprojekts wird eine langjährige Vision konkret. Das Schweizer Memorial bewahrt die Erinnerung an die Opfer und vermittelt ihre Geschichte an kommende Generationen. Es soll zugleich dazu beitragen, Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung frühzeitig zu erkennen und ihnen entschieden entgegenzutreten.

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