Die Brit Mila ist die religiöse Beschneidung jüdischer Knaben am achten Tag nach der Geburt. Sie gilt als Zeichen des Bundes zwischen Gott und dem jüdischen Volk und gehört zu den wichtigsten Geboten im Judentum. Die Brit Mila prägt das jüdische Leben seit Jahrtausenden.

Die Brit Mila bezeichnet die religiöse Beschneidung jüdischer Knaben. Dabei wird die Vorhaut des männlichen Glieds entfernt. Die Beschneidung wird traditionell am achten Tag nach der Geburt durchgeführt, sofern keine gesundheitlichen Gründe dagegensprechen. Die Brit Mila gehört zu den wichtigsten religiösen Traditionen des Judentums und wird seit Jahrtausenden praktiziert.

Religiöse und symbolische Bedeutung

Im Judentum besitzt die Brit Mila eine zentrale religiöse Bedeutung. Sie markiert den Eintritt des Kindes in den Bund Abrahams mit Gott und gilt als sichtbares Zeichen dieses Bundes. Die Grundlage dafür findet sich im 1. Buch Mose: «Und Gott sprach zu Awraham: (...) Das ist Mein Bund, den ihr bewahren sollt, zwischen Mir und Dir und deinen Nachkommen nach dir: Beschnitten werde bei euch jegliches Männliche.» Die Brit Mila zählt zu den zentralen Geboten der Thora und besitzt im jüdischen Religionsverständnis einen hohen Stellenwert.

Ablauf der Zeremonie

Die Brit Mila wird traditionell von einem erfahrenen Mohel durchgeführt und ist in eine religiöse Zeremonie eingebettet. Diese umfasst Segenssprüche und häufig auch eine anschliessende Festmahlzeit im Kreis von Familie und Gemeinschaft. Die Beschneidung erfolgt grundsätzlich am achten Tag nach der Geburt, sofern keine gesundheitlichen Gründe eine Verschiebung notwendig machen. Die konkrete Ausgestaltung der Zeremonie kann je nach religiöser Tradition und Gemeinde unterschiedlich sein. Gemeinsam ist allen Strömungen die zentrale religiöse Bedeutung der Brit Mila für das jüdische Leben.

Weitere Informationen zur religiösen Bedeutung der Brit Mila

SIG-Factsheet von Emanuel Cohn

Geschichtlicher Hintergrund und weltweiter Kontext

Die Brit Mila gehört zu den ältesten religiösen Traditionen des Judentums und wurde über Jahrtausende hinweg praktiziert. Im Laufe der Geschichte wurde jüdischen Gemeinschaften die Durchführung der Beschneidung jedoch immer wieder verboten oder erschwert, etwa während der hellenistischen Herrschaft über Judäa in der Antike oder später unter dem Sowjetregime. Trotzdem blieb die Brit Mila ein fester Bestandteil jüdischer Identität und Tradition. Auch heute wird sie in religiösen wie säkularen jüdischen Familien grossmehrheitlich respektiert und durchgeführt.

Gleichzeitig ist die Zirkumzision weltweit verbreitet und zählt zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen überhaupt. Schätzungen zufolge ist rund ein Viertel der männlichen Weltbevölkerung beschnitten – aus religiösen, kulturellen oder auch regelmässig aus medizinischen Gründen.

Gesellschaftliche Debatte

Die Brit Mila ist in Europa und auch in der Schweiz immer wieder Gegenstand gesellschaftlicher und politischer Diskussionen. Dabei stehen insbesondere Fragen des Kindeswohls, der körperlichen Selbstbestimmung und der Religionsfreiheit im Mittelpunkt. Für die jüdische Gemeinschaft besitzt die Brit Mila eine grundlegende religiöse Bedeutung und ist eng mit der Möglichkeit verbunden, jüdisches Leben frei ausüben zu können. Entsprechend sensibel werden Forderungen nach Einschränkungen oder Verboten wahrgenommen.

In der Schweiz ist die religiöse Beschneidung jüdischer Knaben erlaubt. In der rechtlichen und gesellschaftlichen Diskussion erfolgt dabei eine Interessenabwägung zwischen dem Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit, den Rechten der Eltern im Rahmen der elterlichen Sorge sowie der Glaubens- und Gewissensfreiheit. Diese schützt nicht nur das Recht, eine Religion frei zu bekennen, sondern auch religiöse Traditionen auszuüben. Gleichzeitig ist die Religionsfreiheit nicht absolut und kann unter bestimmten Voraussetzungen eingeschränkt werden. Das Schweizer Parlament entschied bei der Einführung des Straftatbestands zur Verstümmelung weiblicher Genitalien bewusst dagegen, die Bestimmung auf die Knabenbeschneidung auszuweiten. Ausschlaggebend war unter anderem, dass die männliche Beschneidung als vergleichsweise geringfügiger Eingriff beurteilt wird und nicht mit weiblicher Genitalverstümmelung gleichgesetzt werden kann.

Empfehlungen des SIG

Der Schutz der in der Schweizerischen Bundesverfassung garantierten Religionsfreiheit gehört zu den zentralen Anliegen des SIG. Die Diskussion über die Brit Mila berührt grundlegende Fragen der Religionsfreiheit und des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Der SIG anerkennt, dass die Beschneidung gesellschaftlich kontrovers diskutiert werden kann. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass Religionsfreiheit ein zentrales Grundrecht in einer pluralistischen Gesellschaft ist. Für die jüdische Gemeinschaft gehört die Möglichkeit, die Brit Mila praktizieren zu können, zu den grundlegenden Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes jüdisches Leben in der Schweiz. Der SIG setzt sich darum dafür ein, dass die Debatte sachlich, differenziert und unter Respektierung religiöser Minderheiten geführt wird.

Innerhalb der jüdischen Gemeinschaft verweist der SIG darauf, dass die konkrete religiöse Praxis und die Ausgestaltung der Zeremonie in der Verantwortung der jeweiligen Gemeinden und Rabbinate liegen. Vor diesem Hintergrund hat der SIG aber Empfehlungen für in der Schweiz tätige Mohalim formuliert. Diese sehen unter anderem vor, dass Mohalim über entsprechende Ausbildung und Erfahrung verfügen, die Eltern vorgängig über mögliche Risiken informiert werden und die Durchführung unter geeigneten hygienischen Bedingungen sowie mit den notwendigen medizinischen Vorkehrungen erfolgt. Zudem wird eine Anbindung an medizinische Fachpersonen empfohlen.

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