Der VSJF und das Archiv für Zeitgeschichte haben ein Projekt lanciert, das den langfristigen Erhalt der Zeitzeugnisse von Schoahüberlebenden sichert
In der Schweiz leben zahlreiche Überlebende der Schoah. Damit möglichst viele Zeugnisse dieser Zeitzeuginnen und -zeugen langfristig erhalten bleiben, arbeiten der VSJF und das Archiv für Zeitgeschichte zusammen an einem VSJF-Memorial-Projekt.
Bald 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es immer weniger Überlebende der Schoah. Einige von ihnen haben in den letzten Jahren Zeugnis über ihr Schicksal abgelegt. Viele besitzen noch Dokumente und andere Unterlagen, die über ihre Geschichte Auskunft geben. Damit diese Zeitzeugnisse nicht verloren gehen und für kommende Generationen erhalten bleiben, hat der Verband Schweizerischer Jüdischer Fürsorgen VSJF zusammen mit dem Archiv für Zeitgeschichte AfZ ein zweijähriges Projekt lanciert, das VSJF-Memorial-Projekt.
Professionelle Erschliessung ermöglicht die langfristige Sicherung von Nachlässen
Das VSJF-Memorial-Projekt hat zum Ziel, möglichst viele Nachlässe von Schoahüberlebenden in der Schweiz zu sammeln und professionell zu erschliessen. Nur so können die Unterlagen und Dokumente langfristig gesichert und, nach Einhaltung der gesetzlichen Schutzfrist, der Öffentlichkeit und der Forschung zugänglich gemacht werden.
Bereits heute finden sich im AfZ die Unterlagen von 12'000 Geflüchteten, die in den Jahren vor und während des Zweiten Weltkriegs in die Schweiz kamen und vom VSJF betreut wurden. Viele dieser Akten enthalten Informationen, persönliche Berichte und amtliche Unterlagen, die die Geschichte und den Aufenthalt dieser Menschen in der Schweiz dokumentieren. Im Archiv finden sich zudem Videos, die zwischen 2005 und 2012 bei Begegnungen zwischen Überlebenden und Schulklassen entstanden sind. Neben privaten Nachlässen sind auch Dokumente aus dieser Zeit Teil der Sammlung.
Das AfZ unterstützt Überlebende und Familien im Umgang mit den historischen Dokumenten
Das AfZ richtet sich mit dem Projekt auch an Nachkommen von Überlebenden. Oft werden diesen nach dem Tod der Eltern oder Grosseltern Fotografien, Tagebücher, Briefe und andere Unterlagen hinterlassen, deren Bedeutung schwierig einzuschätzen ist. Das Archiv unterstützt die Familien bei der Beurteilung und Verortung der Dokumente und berät sie im weiteren Umgang mit den Erinnerungsstücken.
In ein paar Jahren werden keine Zeitzeuginnen und -zeugen mehr da sein, die aus erster Hand über ihr Schicksal während der Schoah berichten können. Projekte wie dieses leisten einen wichtigen Beitrag dazu, ihre Erinnerungen zu dokumentieren und für die Zukunft zu erhalten.