Prävention

Das Sommerprojekt von Likrat Public geht in die achte Runde: Ein Tag im Saastal mit Likratino Daniel

Likratino Daniel ist während des Sommerprojekts von Likrat Public im Saastal unterwegs. Zwischen Gesprächen mit Feriengästen, Hotelbetrieben und Einheimischen zeigt sich, wie Dialog, praktische Unterstützung und gegenseitiges Verständnis zu einem gelungenen Miteinander beitragen.

Ein Sommertag im Saastal beginnt für Likratino Daniel mit Gesprächen. Während jüdische Familien ihre Ferien in den Walliser Bergen verbringen, ist er als Vermittler von Likrat Public unterwegs. Er beantwortet Fragen von Gästen und Einheimischen, besucht Tourismusbetriebe und hilft dabei, Missverständnisse frühzeitig aus dem Weg zu räumen. Solche Begegnungen prägen den Alltag des Sommerprojekts, das in diesem Jahr bereits zum achten Mal stattfindet. Ziel ist es, den Dialog zwischen jüdischen Gästen, der lokalen Bevölkerung und der Tourismusbranche zu fördern.

Zwischen Spielplatz und Bergpanorama

Ein bei jüdischen Familien beliebter Ferienort ist das Saastal. Hier ist in der ersten Projektwoche Likratino Daniel im Einsatz. Sein erster Halt ist der Kreuzboden bei Saas-Grund, wo ein Spielplatz, ein kleiner See und vor allem die eindrückliche Aussicht auf die Walliser Bergwelt für Gross und Klein etwas bietet. Entsprechend sind an diesem Nachmittag viele Familien hier anzutreffen. Die Stimmung ist ausgelassen, die Kinder können herumrennen, während die Erwachsenen die Gelegenheit für einen Schwatz oder ein Sonnenbad nutzen. Eine Familie aus London erzählt Daniel, wie sehr sie die Ferien in der Schweiz geniessen – die Ruhe, die Bergluft und die gemeinsame Zeit. Vor allem aber fühlen sie sich hier sicher, sagt der Vater, auch wenn sie wissen, dass Antisemitismus auch in der Schweiz ein präsentes Thema ist.

Am See sitzt ein älteres Ehepaar aus Basel. Sie verbringen ihre Ferien seit Jahren im Wallis, früher noch mit ihren Kindern und Grosskindern. Sie loben die Vermieterin ihrer Ferienwohnung in den höchsten Tönen, die jedes Jahr dafür sorgt, dass die Wohnung alle jüdischen Bedürfnisse erfüllt und auch das Haus schabbattauglich eingerichtet ist, zum Beispiel mit Lampen, die den ganzen Schabbat leuchten. Einen besonderen Tipp geben sie Daniel noch mit auf den Weg: Ein Hotel in Saas-Almagell verkaufe neu koschere Glacés, er solle doch unbedingt dort vorbei gehen. «Alle essen in den Ferien gerne Glacé, nicht nur die Kleinen», fügt die Dame lachend hinzu.

Gute Infrastruktur für jüdische Bedürfnisse und neu auch ein koscherer Lieferdienst

Im Saastal finden jüdische Gäste alles, was sie brauchen: Mithilfe der Koscherlisten der jüdischen Gemeinden in der Schweiz können sie ihre Einkäufe in den lokalen Supermärkten tätigen, die oft auch ein kleines Sortiment an koscheren Lebensmitteln führen. In diesem Jahr bietet ein Hotel in Saas-Fee neu einen Lieferdienst für koschere Speisen an. Jeden Tag wird ein anderes Menü angeboten. Gemäss Flyer wird es von einem amerikanischen Koch zubereitet, umfasst «amerikanische Portionen» und trägt das Koscherzertifikat (Hechscher) der jüdischen Gemeinde Agudas Achim in Zürich.

in florierendes Geschäft sind auch die Paketdienste aus der Heimat. Viele Familien lassen sich die wichtigsten Utensilien, den Kinderwagen und einen Grundstock an Lebensmitteln von zu Hause in die Schweiz liefern. Vor der Ferienanlage Montela in Saas-Grund stapeln sich die Pakete. Daniel trifft sich an diesem Nachmittag mit dem Team des Resorts, das in diesen Tagen zu 80 Prozent von jüdischen Gästen bewohnt wird. Die beiden Frauen sind sich einig: Es läuft gut. Aber es brauche konsequente Regeln und gute Kommunikation. Daniel klärt einige Fragen der Gäste, während auch die Gastgeberinnen ein paar Rückmeldungen für den Likratino haben. Am Abend nutzt Daniel den Besuch im Minjan, das ebenfalls im Montela angesiedelt ist, um den Besuchern wichtige Informationen mitzuteilen. Wer nicht dabei sein kann, erfährt das Wichtigste und auch den neuesten Tratsch über eine WhatsApp-Gruppe, mit der die Gäste bestens vernetzt sind.

Das koschere Glacé ist den Abstecher nach Saas-Almagell wert

Zum Abschluss des Tages besucht Daniel Saas-Almagell, um dem Tipp mit den koscheren Glacés nachzugehen. Und tatsächlich: Vor dem Hotel Monte Moro steht ein Schild, das auf das Angebot hinweist. Der Hotelier ist stolz darauf, dass er dieses Eis aus Belgien importiert und den jüdischen Kunden damit etwas Besonderes anbieten kann.

Die Fragen und kleineren Probleme zu Beginn des Projekts konnten geklärt werden und die meisten Pakete sind inzwischen bei ihren Empfängern angekommen. In seinem Tagesbericht hält Daniel die Beobachtungen und Rückmeldungen der Gäste fest. Besonders häufig wünschen sich die Gäste ein zentrales Minjan, etwa in der Schule, die während der Sommerferien ohnehin leer steht. Daniel verspricht, das Anliegen mit der Gemeinde aufzunehmen. Viele Begegnungen während des Sommerprojekts verlaufen unspektakulär – gerade darin liegt ihr Wert. Fragen werden direkt geklärt, Missverständnisse vermieden und Anliegen aufgenommen. So schafft Likrat Public genau das, was das Projekt seit acht Jahren auszeichnet: gegenseitiges Verständnis durch persönliche Begegnungen.

Abonnieren Sie jetzt die SIG News

Diese Website verwendet Cookies, um ein bestmögliches Nutzungserlebnis zu gewährleisten.

Dazu gehören wesentliche Cookies, die für den Betrieb der Website notwendig sind, sowie andere, die nur für anonyme statistische Zwecke, für Komfort-Einstellungen oder zur Anzeige personalisierter Inhalte verwendet werden. Sie können selbst entscheiden, welche Kategorien Sie zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass je nach Ihren Einstellungen möglicherweise nicht alle Funktionen der Website zur Verfügung stehen.

Diese Website verwendet Cookies, um ein bestmögliches Nutzungserlebnis zu gewährleisten.

Dazu gehören wesentliche Cookies, die für den Betrieb der Website notwendig sind, sowie andere, die nur für anonyme statistische Zwecke, für Komfort-Einstellungen oder zur Anzeige personalisierter Inhalte verwendet werden. Sie können selbst entscheiden, welche Kategorien Sie zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass je nach Ihren Einstellungen möglicherweise nicht alle Funktionen der Website zur Verfügung stehen.

Ihre Cookie-Einstellungen wurden gespeichert.