International

Der WJC begeht gemeinsam mit dem SIG in Genf sein 90-jähriges Bestehen und diskutiert über internationale Strategien gegen Antisemitismus

Der WJC trifft sich vom 10. bis 12. Mai 2026 in Genf zu einer Jubiläums- und Arbeitstagung. Organisiert wird das Treffen gemeinsam mit dem SIG. Im Zentrum stehen Antisemitismus, die Sicherheit jüdischen Lebens sowie die internationale Zusammenarbeit mit Regierungen und multilateralen Organisationen.

Der World Jewish Congress WJC begeht an seiner Tagung vom 10. bis 12. Mai 2026 in Genf sein 90-jähriges Bestehen. Der 1936 gegründete WJC vertritt die Interessen jüdischer Gemeinschaften und Organisationen aus über hundert Staaten weltweit und ist die politische Vertretung jüdischer Gemeinschaften ausserhalb Israels. Als Dachverband der jüdischen Gemeinden der Schweiz vertritt der SIG die Schweiz innerhalb des WJC und ist Mitglied seiner internationalen Gremien. Gemeinsam führen der WJC und der SIG nun die Jubiläumsfeierlichkeiten in Genf durch. Parallel dazu findet das «14th International Meeting of Special Envoys and Coordinators Combating Antisemitism SECCA» statt, das Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Diplomatie und jüdischen Gemeinschaften zusammenbringt.

Internationale Zusammenarbeit gegen Antisemitismus

Zum Auftakt der Konferenz fand am Sonntagabend ein offizielles Eröffnungsdinner zum 90-jährigen Bestehen des WJC statt. Zu den Gästen gehörte auch der Schweizer Bundespräsident, Guy Parmelin, der vom SIG-Präsidenten und WJC-Vizepräsidenten Ralph Friedländer begrüsst wurde. Zudem wurde der WJC Israel Resilience Award an die Familie von Ran Gvili verliehen. Seine sterblichen Überreste wurden nach den Terrorangriffen vom 7. Oktober 2023 zuletzt aus Gaza an Israel übergeben, nachdem zuvor bereits alle lebenden Geiseln und weiteren Todesopfer zurückgeführt worden waren.

In seiner Ansprache erinnerte Ralph Friedländer daran, dass der WJC 1936 in einer Zeit wachsender Verfolgung und zunehmenden Antisemitismus gegründet wurde. Auch heute sehe sich die jüdische Gemeinschaft weltweit erneut mit wachsendem Hass, Terrorismus und Unsicherheit konfrontiert. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung demokratischer Institutionen und staatlicher Unterstützung beim Schutz jüdischen Lebens. Der Einsatz gegen Antisemitismus sei nicht allein Aufgabe der jüdischen Gemeinschaften, sondern eine Verantwortung der gesamten Gesellschaft.

«Zu wissen, dass wir diesen Kampf gegen den Jahrtausende alten Hass nicht alleine führen müssen, dies bedeutet uns sehr viel. Denn es ist ganz klar: Es ist nicht die alleinige Aufgabe der Jüdinnen und Juden gegen Antisemitismus zu kämpfen, dies ist die Aufgabe der ganzen Gesellschaft. Das heisst aber nicht, dass wir uns nicht an diesem Kampf beteiligen. Genau darum gibt es den WJC. Und ich bin auch stolz darauf, dass wir Schweizer Juden im WJC vertreten sind und uns so aktiv am täglichen Einsatz für die jüdischen Interessen beteiligen.»

Ralph Friedländer, SIG-Präsident

Friedländer würdigte dabei auch die Unterstützung der Schweiz für den Schutz bedrohter Minderheiten, die nationale Strategie gegen Rassismus und Antisemitismus und die Initiative eines Memorials für die Opfer des Nationalsozialismus. Für dieses Engagement bedankte er sich beim gesamten Bundesrat und dem anwesenden Bundespräsidenten Guy Parmelin. Bundespräsident Guy Parmelin betonte in seiner Ansprache:

«Leider finden alte Formen von Antisemitismus, aber auch von Rassismus, Sexismus und Homophobie immer wieder neue Ausdrucksformen, neue Worte und neue Vorwände. Gerade deshalb braucht es Klarheit. Und es braucht Menschen und Organisationen, die genau hinschauen. Letztlich geht es um die grundlegende Frage, wie wir zusammenleben wollen. Eine Gesellschaft definiert sich nicht dadurch, wie sie mit Mehrheiten umgeht, sondern dadurch, wie sie ihre Minderheiten schützt. Daran müssen wir uns messen lassen. Der World Jewish Congress leistet dazu seit 90 Jahren einen wichtigen Beitrag.»

Bundespräsident Guy Parmelin

Genf als Ort jüdischer Interessenvertretung

Dass die Konferenz in Genf stattfindet, ist bewusst gewählt. Die Stadt ist nicht nur Gründungsort des WJC im Jahr 1936, sondern bis heute ein zentraler Ort internationaler Diplomatie. Mit den Vereinten Nationen und zahlreichen internationalen Organisationen ist Genf seit Jahrzehnten ein wichtiger Schauplatz multilateraler Zusammenarbeit. Gleichzeitig sieht der WJC die Notwendigkeit, jüdische Anliegen und die Interessen Israels gerade auch in internationalen Institutionen sichtbar zu vertreten. Die Tagung soll deshalb auch ein Zeichen für den fortgesetzten Einsatz gegen Antisemitismus und gegen die Ausgrenzung jüdischer Perspektiven im internationalen Diskurs setzen.

Im Rahmen der dreitägigen Tagung befassen sich die Teilnehmenden mit aktuellen Herausforderungen für jüdische Gemeinschaften weltweit. Auf dem Programm stehen unter anderem zeitgenössischer Antisemitismus nach dem 7. Oktober 2023, Antisemitismus an Universitäten, die Sicherheit jüdischen Lebens sowie die Rolle multilateraler Institutionen im Kampf gegen Antisemitismus. Weitere Diskussionen widmen sich der internationalen Zusammenarbeit zwischen jüdischen Gemeinschaften und Regierungen sowie den Auswirkungen geopolitischer Spannungen auf jüdisches Leben weltweit. Zu den angekündigten Teilnehmerinnen und Teilnehmern zählen unter anderem die Antisemitismusbeauftragte der Europäischen Kommission, Katharina von Schnurbein, der frühere UN-Sonderberichterstatter Ahmed Shaheed sowie der deutsche Antisemitismusbeauftragte Felix Klein.

Internationale Vernetzung bleibt zentral

Für den SIG zeigt die Konferenz, wie wichtig die internationale Vernetzung im Kampf gegen Antisemitismus geworden ist. Herausforderungen wie Hassrede, Ausgrenzung und Sicherheitsfragen betreffen jüdische Gemeinschaften weltweit und machen eine enge Zusammenarbeit zwischen Staaten, internationalen Organisationen und jüdischen Gemeinschaften notwendig. Der Austausch in Genf soll dazu beitragen, gemeinsame Antworten auf diese Entwicklungen zu stärken und jüdisches Leben langfristig zu schützen. Gleichzeitig zeigt das 90-jährige Bestehen des WJC, dass der Einsatz gegen Antisemitismus, für die Sicherheit jüdischen Lebens und für die politische Vertretung jüdischer Gemeinschaften auch neun Jahrzehnte nach der Gründung des Dachverbands nichts an Aktualität verloren hat.

Foto: Shahar Azran/WJC

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